Die Ausstellung mit dem Titel Fremde Heimat.

Text von Dr. Maria Mazza erschienen im Katalog "Fremde Heimat" zur IFUPA 2006

Im Mittelpunkt der Ausstellung im Italienischen Kulturinstitut Hamburg stehen die Arbeiten deutscher Künstler, die sich mit Italien und den mit dem Land verknüpften Themenkreisen auseinandergesetzt haben. Acht Künstler entwickelten, jeder auf seine Art, das Thema Fremde Heimat. Hierfür bedienten sich die Künstler überwiegend des Instruments der Fotografie und gaben dem Thema ihre eigene Deutung. Die Idee von Heimat birgt in sich eine gewisse Doppeldeutigkeit: Sie erinnert uns zum einen an etwas, das vertraut ist bzw. sein sollte; an etwas, das tief in unserem Inneren verankert ist. Erscheint sie uns aber „fremd“, fern, dann stellt sie unser eigenes Dasein in Frage. Diese Vorstellung von Heimat spielt auch auf eine Rhetorik an, die an vergangene Zeiten gebunden ist.

Monika Vollmer, eine deutsche Künstlerin mit großer Affinität zu Italien, kennt fast alle Regionen und erlernte, um mit den Menschen kommunizieren zu können, auch die Sprache. Fasziniert haben sie besonders die unberührte Natur der Vulkaninsel Stromboli und Venedig. Beide sind Orte, die sie in ihrem künstlerischen Dasein geprägt haben und an die sie jedes Jahr zurückkehrt. Während ihrer sonntäglichen Spaziergänge durch die Speicherstadt im heimatlichen Hamburg wird sie an Venedig erinnert: In ihrer Phantasie verschmelzen die Hamburger Alsterarkaden mit den Bauten der venezianischen Piazza San Marco und die alte Post von Hamburg wird zum Original, dem Palazzo della Signorina. Die in Venedig aufgenommenen Fotografien verbinden sich mit denen von Hamburg, die eine Stadt findet sich in der anderen wieder. In der Fantasie entsteht so mit Hilfe der Technik eine neue bildliche Realität, in der man manchmal nicht mehr zwischen den doch so unterschiedlichen Städten Hamburg und Venedig unterscheiden kann.
Die Fotografie, objektives Abbild der Wirklichkeit, unterwirft sich der subjektiven Vorstellung der Künstlerin, die beide Realitäten zu einer Ansicht zusammenfließen lässt. Diese gleicht weder der ursprünglichen Realität, noch geht das eine Abbild völlig in das andere über, sondern beide Städte erlangen in diesem Spiel mit der Spiegelung eine neue Identität.